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Fast verheiratet

Die Kunst des fast perfekten "Nein"-Sagens


Hast du dir schon einmal gedacht: "Hätte ich bloß Nein gesagt!"

Falls ja, dann kann ich dich beruhigen, denn manchmal sagen wir Ja, weil wir Menschen nicht enttäuschen wollen. Und das ist auch in Ordnung. Nur, wenn es dich beinahe vor den Altar bringt, solltest du eventuell deine Grenzen überdenken. Hier ist meine Geschichte und wie ich - spät, aber doch - lernte, Nein zu sagen.



Jeanne Jirges dressed in white
© Nina Schiffleitner


Meine Schulzeit war durchgemischt, mit allen möglichen Rollen, die ich gespielt hatte. Ich war das Mobbingopfer, ich war der bully. Ich war der Außenseiter, Klassensprecher, Einzelgänger, popular child, gothic child, Sonnenkind - wie ich das geschafft habe, weiß ich selbst nicht so genau.


Die hier relevante Zeit war jedoch der Schulwechsel nach der 4. Klasse AHS und somit mein Übergang vom Einzelgänger bzw. Mobbingopfer zum Klassenclown und einer relativ gut integrierten Klassenkollegin. Zum ersten Mal hatte ich wirklich Freunde in der Schule, jedoch hatte ich nie das Gefühl, wirklich dazu zu passen.


Ich ging auf eine BAKIP - Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik - und schien die Einzige zu sein, die Haus, Kind und Fixjob vor 30 als Albtraum sah und nicht als Normalität akzeptieren wollte. Meine Freunde jedoch begannen bereits, sich zu verloben, Haus zu planen und Kindernamen auszusuchen. Wir sprechen von einem Zeitraum, in dem ich ca. 18 - 23 Jahre alt war. (Also Ende BAKIP und Beginn meiner Studienzeit) Um nicht noch mehr aus der Menge zu stechen, als ich es eh schon tat, spielte ich mit. Mein damaliger Partner und ich suchten eifrig nach einem Grundstück (wie alle anderen), begannen die Hausplanung (wie alle anderen) und lebten mehr in der Zukunft als im Jetzt (wie alle anderen).


Ich hatte damals zu allem viel zu schnell Ja gesagt. Zu der Beziehung, zu der gemeinsamen Wohnung, zur Hausplanung, Kindernamen... Als er mir jedich mitteilte, dass er in zwei Jahren Vater werden wolle, stellten sich mir alle Haare auf. In diesem Moment bekam ich Panik, schaffte es jedoch nicht explizit Nein zu sagen, sondern suchte das Gespräch, um zu verstehen warum er es so eilig hatte. Als ich vorsichtig anmerkte, dass mir das etwas zu früh wäre, antwortete er: "In zwei Jahren bin ich Vater - mit oder ohne dich!"(Witzig, denn ca. 2 Jahre später wurde er tatsächlich Vater - ohne mich.)


Dazu kam, dass mein Vater nie die gesündeste Person gewesen war. Ich hatte das Gefühl, mich mit der Kinderplanung beeilen zu müssen, wenn ich wollte, dass er seine Enkelkinder noch erlebt. Auch, wenn es absolut nicht das war, was ich wollte. Ich wusste, wie wichtig ihm das war, daher wollte ich ihn nicht enttäuschen. Aber etwas in mir schrie "Nein!"


Als schließlich meine Freunde begannen, sich "komisch" zu verhalten und immer öfter von Heirat sprachen, bekam ich ein noch mulmigeres Gefühl. Denn irgendwie schien es diesmal nicht so wirklich um meine Freunde zu gehen, sondern um... mich? Das war der zweite Moment, in dem ich Panik bekam. Ich war weder für Kinder, noch eine Hochzeit bereit und erwähnte sogar vor meiner Mutter, dass diese Beziehung in einer Scheidung enden würde, sollten wir tatsächlich heiraten. Ich wusste, dass diese Beziehung nicht richtig für mich war und schaffte es dennoch nicht den Schlussstrich zu ziehen. Meine Schuldgefühle waren einfach zu groß. Zusätzlich kam die Aussage einer Freundin: "Du bist gesund und hast einen Partner, der genug verdient. Plus, du studierst, was du studieren möchtest. Sei nicht undankbar, es passt doch alles." Und zu den Schuldgefühlen gesellte sich nun auch das Gefühl undankgbar zu sein.


Mein Geburtstag war im November und ich befürchtete "das Schlimmste". Aber der Antrag kam nicht und somit wusste ich: Ich hatte noch ein Monat Zeit zu sagen, was ich wirklich wollte. Doch wie sollte ich das anstellen? Ein Gesprächsverlauf kam mir zugute, denn es ging - oh Wunder - um das Thema heiraten und Weihnachtsgeschenke. Ich hakte sofort ein, schaute meinen damaligen Partner an und sagte mehr aus Panik als aus Überzeugung: "Du schenkst mir aber eh keinen Ring, oder? Das finde ich zu früh!" Stille. Mein Herz pochte so laut, dass ich befürchtete, alle anderen würden es hören. Er antwortete: "Ich wollte dir nach dem ersten Jahr schon einen Antrag machen, ich finde das nicht zu früh." Und ich realisierte, dass es mir nicht "zu früh" war - es war der falsche Partner. Ich musste es einsehen. Ich war nicht undankbar und es war nicht meine Aufgabe, so schnell wie möglich Kinder in die Welt zu setzen, damit mein Papa seine Enkel erlebt. Ich musste mich nicht zwingen in einem Haus zu wohnen, wo ich eigentlich nicht wohnen wollte. Und ich musste mich nicht verstellen, um zu einer Gruppe zu passen, deren Werte ich einfach nicht nachvollziehen konnte. Dieses "Ja" hatte größere Konsequenzen, als ich gedacht hatte.


Ich war gezwungen mir folgende Fragen zu stellen:

  1. Würde ich mit den Konsequenzen glücklich werden?

  2. Kann und will ich alle Folgen von diesem "Ja" akzeptieren?

  3. Ist es wirklich, was ich möchte?

  4. Ist es mein Wunsch oder der Wunsch einer anderen Person?

  5. Wäre mein Zukunfts-Ich dankbar für diese Entscheidung?


Die Antwort auf alles war "Nein".

Ich beendete diese Beziehung und verlor nicht nur meinen langjährigen Partner, sondern auch meinen gesamten Freundeskreis, bis auf eine einzige Person. Der Rest fand mein Verhalten unverantwortlich und undankbar. Es ginge doch nicht, eine Beziehung nach so langer Zeit zu beenden, vor allem nicht, wenn ein Heiratsantrag in Planung war. Lange Zeit fühlte ich mich schlecht. Das schlechte Gewissen erdrückte mich. Aber gleichzeitig fühlte ich auch Befreiung. Ich war frei von der Last des Lebens, das ich nicht wollte. Ich hatte mir die Möglichkeit zurück gegeben, Ich zu sein. An diesem Tag lernte ich, die Macht des "Nein" nicht nur kennen sondern auch zu schätzen. In manchem Fällen ist ein Nein für die anderen ein Ja zu sich selbst.


Ein "Nein" kann oft schmerzhaft sein, das stimmt schon. Aber es wird einen Grund geben, warum du das so empfindest. Stelle dir gerne die oben genannten Fragen, wenn du vor größeren Entscheidungen stehst und sei ehrlich zu dir.



Und wenn du lernen möchtest, selbstbewusst Entscheidungen zu treffen und ohne schlechten Gewissen anderen gegenüber für dich einzustehen, dann melde dich gerne für ein unverbindliches Gespräch bei mir.


Ich freue mich auf dich!

Alles Liebe

Jeanne


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